Lebensqualität erhalten, wenn die Muskeln versagen
Tirol aktuell
Mittwoch, den 06. Dezember 2017 um 08:33 Uhr

_UE_7694Mit einer einzigartigen Kooperation unterstützen die Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und die Tirol Klinik Patienten, die an ALS erkrankt sind. Das Projekt erhielt im November den Hildegard Teuschl Preis.

Sie kann mit scheinbaren „Ungeschicklichkeiten“ beginnen: Stolpern, Hinfallen, Probleme beim Greifen von Gegenständen. Oder mit Sprachproblemen und Schluckstörungen. ALS, amyotrophe Lateralsklerose, ist eine schwere fortschreitende und unheilbare neurodegenerative Erkrankung mit Lähmungen an unterschiedlichen Muskelgruppen. Bei vollem Bewusstsein erleben die Patienten den teilweise kompletten Verlust ihrer körperlichen Fähigkeiten. Ein einzigartiges Hilfsprojekt der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft und der Neuromuskuläre Ambulanz der Medizinischen Universität Innsbruck bietet Betroffenen Hilfe an. Ziel ist, das Leben mit der Erkrankung zu erleichtern und die Lebensqualität so lange wie möglich zu erhalten. Ein Team von Physio-, Logo-, Ergotherapeuten, Sozialarbeitern, Psychologen und Mitarbeitern anderer Fachabteilungen steht für die Betroffenen bereit. Erste Anlaufstelle für Patienten, Angehörige und Betreuende ist die neuromuskuläre Ambulanz. Im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit bietet das Mobile Hospiz- und Palliativteam der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft Beratung und Betreuung am Wohnort der Patienten. Eine Kooperation mit dem Land Tirol und einem externen Schulungsexperten ermöglicht es, den Patienten Sprachcomputern zur Aufrechterhaltung der Kommunikationsfähigkeit zur Verfügung zu stellen. Außerdem unterstützen engagierte Ehrenamtliche und Spender das Projekt.

 

Außergewöhnliche Leistungen im Hospizbereich

Im November erhielt die österreichweit einzigartige Initiative den Hildegard-Teuschlpreis (1. Platz). Die nach der Gründerin der Österreichischen Hospizbewegung benannte Prämierung wird alle zwei Jahre vom Universitätslehrgang Palliative Care, der Kooperation von Paracelsus Medizinischer Privatuniversität, Dachverband Hospiz Österreich und St. Virgil Salzburg ausgelobt, und prämiert wissenschaftliche Leistungen und innovative Projekte in Hospizarbeit und Palliative Care. Maßstab für die Zuerkennung eines dieser Preise sind außerordentliche Leistungen in Form einer wissenschaftlichen Arbeit bzw. in Form eines konzipierten oder realisierten innovativen Projekts in Hospizarbeit und Palliative Care.

Das ALS-Projekt gehört zu den zahlreichen Aufgaben der Tiroler Hospiz-Gemeinschaft, die ab kommenden Jahr von Hall aus arbeiten wird. Das neue Hospizhaus in der Milserstraße eröffnet voraussichtlich im Juni 2018. Am neuen Standort finden neben der Hospiz- und Palliativstation mit 14 Betten und Ambulanz sowie dem mobilen Team Innsbruck und Umgebung auch ein Tageshospiz mit sechs Plätzen und die Akademie für Hospiz und Palliative Care sowie alle anderen Bereiche der Hospizarbeit Platz.

 
 

Latest Events

Suchen & Finden