40 Jahre Stadt- und Ortsbildschutz in Tirol
Hall in Tirol
Mittwoch, den 18. Mai 2016 um 07:20 Uhr

_DSC0028Mit einer Ausstellung, die am letzten Samstag im Salzlager Hall offiziell eröffnet wurde, sollen die Leistungen Stadt- und Ortsbildschutzgesetz (SOG) in den letzten 40 Jahren einer breiten Öffentlichkeit vermittelt werden.

Der Schutz des kulturellen Erbes, vor allem im Bereich der Bausubstanz, genoss in den Jahren des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg nicht unbedingt oberste Priorität. Doch Anfangs der 70er Jahre wurde gewann dieses Thema immer mehr an Bedeutung und 1976 erließ die damalige Landesregierung ein Gesetz mit der Zielsetzung, kulturelles Erbe zu sichern und das Land vor nicht mehr rückgängig zu machenden Verlusten wertvoller Bausubstanz zu bewahren. Das Stadt- und Ortsbildschutzgesetz (SOG) wirkt seither in allen Landesteilen als angewandtes Bekenntnis zu dem, was Tirol, seine Städte und Gemeinden in ihrem Erscheinungsbild prägt.

 

Jubiläumsausstellung

Zahlreiche Prominenz aus Politik, Kultur und Wirtschaft fand sich letzten Samstag bei der Eröffnung der Jubiläumsausstellung im Haller Salzlager ein. Vizebürgermeister Werner Nuding konnte dabei LR Johannes Tratter, Nikolaus Juen, den Vorsitzenden des Sachverständigenbeirats, sowie Christoph Hölz, den stellvertretenden Leiter des Archivs für Baukunst derv Universität Innsbruck begrüßen. „Der wertschätzende Umgang mit einem reichen Schatz an historischem Erbe im Ortskern sowie die qualitätsvolle Weiterentwicklung im Hinblick auf die Bedürfnisse der Gegenwart sind zentrale Anliegen, die das SOG in jeder Gemeinde, bei jedem Projekt verfolgt“, betonte LR Tratter. Als das Stadt- und Ortsbildschutzgesetz realisiert wurde, hätte kaum jemand ahnen können, welch richtungsweisende Bedeutung es im Verlauf von mittlerweile vier Jahrzehnten erlangen würde. Am Beispiel der Stadt Hall, die man sicher als eine Perle des engagierten Stadt- und Ortsbildschutzes in Tirol bezeichnen kann und anhand der aktuellen Ausstellung lasse sich unschwer erkennen, was dieses Gesetz in der Praxis bringe.

 

Aktive Förderung von Land und Gemeinden

„Letztlich hat die Tatsache, dass beim SOG nicht nur gefordert, sondern auch gefördert wird, viel zur positiven Wahrnehmung des Stadt- und Ortsbildschutzes beigetragen“, ergänzt Vizebürgermeister Werner Nuding. Denn neu zu bauen wäre für Hausbesitzer gewöhnlich günstiger als historisch adäquat zu sanieren. Doch hier schaffe die Förderung der Gemeinde an den Eigentümer einen echten Anreiz.

 

20 Schutzzonen

„Der Stadt- und Ortsbildschutz entstand wie der Denkmalschutz aus einer Bürgerbewegung der sechziger und siebziger Jahre“, erzählt Christoph Hölz vom Archiv für Baukunst. Selbstbewusste und zunehmend kritische Bevölkerungsschichten hätten dabei um die Qualität und den Erhalt der historisch gewachsenen Umgebung gekämpft. Mit dem Stadt- und Ortsbildschutzgesetz habe die Landesregierung dann dem dringenden Wunsch der Bürgerschaft nach Erhalt und Pflege ihrer historisch gewachsenen Städte und Dörfer entsprochen. Vierzig Jahre später existieren nun in Tirol zwanzig sogenannte Schutzzonen, die Altstädte, gründerzeitliche Viertel und dörflich geprägte Ortskerne umfassen.

 

Bewahrung historischer Kulturlandschaften

„Die Bewahrung der historischen Kulturlandschaft in Tirol ist die größte Herausforderung für den Ortsbildschutz und Landschaftsschutz in den kommenden Jahren“, ergänzt Landeskonservator Walter Hauser vom Bundesdenkmalamt. Der Osttiroler Ort Obertilliach sei hier seit Jahrzehnten einer der Vorreiter. Nun aber stünden neue Herausforderungen an, für die die Ortsgemeinschaft schnell Antworten finden müsse, um nicht Erreichtes zu verlieren. Deshalb liege die Zukunft neuer Schutzzonen vor allem im ländlichen Raum, wobei diese einen Konnex zur Landschaft bräuchten.

 

Wanderausstellung, Buch und DVD

Zur Ausstellung erscheint im Verlag Ablinger.Garber das gleichnamige Buch mit Beiträgen von Friedrich Bouvier, Thomas Gunzelmann, Walter Hauser, Christoph Hölz, Peter Hollmann, Nikolaus Juen, Georg Pendl, Wilfried Schaber, Thomas Unterkircher, Benno Weber und zahlreichen weiteren Autoren aus dem SVB, der Tiroler Landesregierung und dem Bundesdenkmalamt. Sie geben Einblick in die Entstehung des Stadt- und Ortsbildschutzes in Tirol und ziehen Bilanz aus der in vier Jahrzehnten geleisteten Arbeit. Mehr als 150 Objekte werden vorgestellt und in Text und Bild erläutert. Vergleiche mit dem Ensembleschutz in Salzburg und Graz, Bayern und Südtirol stellen den Tiroler Stadt- und Ortsbildschutz in den Kontext überregionaler Betrachtung. Mit dem Buch erscheint unter der Regie und Produktion von Stefan Huber ein ca. 20 minütiger Dokumentarfilm mit Luftaufnahmen ausgewählter Schutzzonen Tirols.

Die Ausstellung wird nach ihrem Start im Salzlager Hall ab Juni als Wanderausstellung in weiteren Gemeinden zu sehen sein.

 

 
 

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