Menschen Selbständigkeit ermöglichen
Hall in Tirol
Dienstag, den 17. Mai 2016 um 14:23 Uhr

_DSC0431Rund 240 Flüchtlinge leben seit Februar in der Traglufthalle Hall. Trotz des Zusammentreffens verschiedener Ethnien verläuft der Alltag friedlich gut und strukturiert, durch Eigeninitiative genauso wie durch die Arbeit der TSD und das Engagement freiwiliger Helfer.

 

Allmählich ist eine Art Alltag ins Leben der Flüchtlinge eingekehrt, die in der Traglufthalle Hall untergebracht sind. Am 12. Februar öffnete die Großunterkunft in der Zollstraße das Drehkreuz für Schutz- und Asylsuchende, zurzeit leben 217 Personen dort. Das Konzept von Land und Stadt Hall sieht hier vor allem die Unterbringung von Familien vor. „In der Traglufthalle wohnen jetzt Menschen aus dem Iran, Irak, Syrien, Afghanistan und Armenien, wobei der Großteil der Flüchtlinge Farsi spricht, die Araber sind in der Minderheit“, berichtet Georg Hochfilzer, der Regionalleiter für Großunterkünfte bei den TSD, der vom Land eingerichteten Flüchtlingsbetreuungsgesellschaft. Den Hauptanteil machen Familien aus mit insgesamt rund 80 Kindern unter 14 Jahren, dazu kommen 12 alleinstehende Männer. „Diese Mischung forcieren wir bewusst, damit Interaktion entsteht, “ erklärt Hochfilzer. Vier Mitarbeiter der TSD betreuen die Menschen in der Halle während des Tages, außerdem sind rund um die Uhr zwei Security-Beamte vor Ort. Sie übernehmen auch die Aufsicht während der Nachtstunden. „Wir hatten bisher noch keine wesentlichen Probleme, die Streitigkeiten, die manchmal entstehen sind ganz normale Dinge wie sie immer wieder vorkommen, wenn so viele Menschen auf engem Raum zusammenleben“, unterstreicht Georg Hochfilzer.


Bewohner achten die hiesigen Regeln

Das Leben in der Traglufthalle zeigt sich sehr strukturiert. Mittags werden Ruhezeiten eingehalten, am Abend wird ab 22 Uhr das Licht heruntergefahren. Das Zusammenleben der verschiedenen Ethnien mache auch kaum Probleme, meint Georg Hochfilzer. „Grundsätzlich muss man natürlich beachten, dass die Menschen aus einem anderen Kulturkreis kommen. Doch die Bewohner achten unsere Regeln und schauen auch untereinander darauf, dass keine Unstimmigkeiten oder Probleme aufkommen. Die Menschen wissen, dass wir ihnen helfen, und schätzen dies auch.“ Ziel der Arbeit der TSD ist vor allem, den Menschen hier eine neue Heimat zu schaffen und sie gut zu integrieren. „Die Flüchtlinge haben viel mit gemacht auf ihren Wegen nach Europa. Wir drängen uns in unserer Arbeit nicht auf, mit ihnen darüber zu sprechen. Schließlich sind wir keine Psychologen. Viele machen die Erlebnisse mit sich selber aus. Unser Ziel ist, den Menschen zu helfen, möglichst selbständig zu werden.“

 

Organisation mit Rücksicht auf Herkunft

38 Kojen mit Platz für bis zu sechs Personen stehen für die Unterbringung der Flüchtlinge in Hall zur Verfügung. In jeder Koje gibt es Schränke für Kleidung und wenige Hab und Gut der Asylwerber sowie Kühlschränke. Die Nummern der Kojen finden sich in den allgemeinden Wirtschaftsräumen auf Waschmaschinen, Trocknern und in den fünf Küchen wieder. „Normalerweise teilen sich zwei Familien einen Küchenblock, auch die Geräte für die Wäsche sind zugewiesen“, erklärt Hochfilzer das System. „Wenn die Menschen nach Hall in der Traglufthalle ankommen, erhalten sie zunächst eine Grundausstattung mit Bettzeug und Geschirr. Wir haben hier in Hall das Selbstversorgerprinzip, die Flüchtlinge erhalten 200 Euro pro Monat für Lebensmittel und 40 Euro Taschengeld“, umreißt der Leiter der Haller Flüchtlingsunterkunft Christopher Wikipil die Einteilungen. Bei der Verteilung der Küchen haben die Mitarbeiter der TSD auf die verschiedenen Herkunftsländer der Flüchtlinge geachtet, wie Wikipil berichtet. „Denn die Nationalitäten unterschieden sich in ihren Traditionen und Sitten schon.“ Beim Besuch der HallerBlatt-Redakteure wurden die Journalisten spontan von einer irakischen Familie zum Frühstück eingeladen, Fladenbrot und Chai-Tee wurde selbstverständlich geteilt. „Die meisten unserer Flüchtlinge sind nicht streng gläubig, so wird hier auch Schweinefleisch gekocht“, räumt Wikipil mit Vorurteilen auf. Gerade die gemeinsamen Küchen sind für viele Flüchtlinge beliebter Treffpunkt, es wird viele gekocht. Auch am Halleneingang gibt es eine „Begegnungszone“, wo es am Vormittag sehr ruhig zugeht.

 

Kinder schon gut integriert und betreut

Die schulpflichtigen Kinder der Flüchtlinge besuchen die Schulen in Hall, erzählt Georg Hochfilzer weiter. Die jungen Menschen konnten sich bereits in der Volksschule am Unteren Stadtplatz, in der NMS Europa und im Poly gut integrieren, so der TSD-Mitarbeiter. „Es läuft wirklich perfekt, wir hören nur Gutes von den Lehrern über die Kinder. Die Schulen sind sehr bemüht und uns wird ständig Rückmeldung gegeben, ob die Kinder da sind und wie sie sich entwickeln, das liegt auch sehr am großen Engagement der Lehrer.“

Für die kleineren Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, haben sich die Flüchtlinge einen eigenen Kindergarten organisiert, da die Kleinen in den Haller Kindergärten wegen Platzmangels nicht aufgenommen werden konnten. Mehrere Frauen betreuen jeweils vormittags und nachmittags einige Stunden die Kleinen. Dafür hat die TSD einen eigenen Abschnitt in der Halle abgetrennt, wo die Kinder spielen können. Die Spielsachen stammen aus dem großen Spendenlager, das die TSD hat. „Die Betreuung der kleinen Kinder funktioniert ganz toll, die Frauen reißen sich geradezu darum, hier ein wenig arbeiten zu können“, freuen sich die TDS-Mitarbeiter.

 

Flüchtlinge möchten arbeiten

Überhaupt möchten die Flüchtlinge sehr gerne arbeiten, erzählt Christopher Wikipil. Im Heim selbst gibt es einiges zu tun: alle Reinigungsarbeiten wie in den WCs, Duschen und Wäschekammern sowie in den Küchen erledigen die Flüchtlinge selber. In einem Radsystem kommt jeder nach einem festgelegten Arbeitsplan dran. „Die Bewohner streiten sich regelrecht um die Arbeiten“, lacht Wikipil. Schließlich dürfen die Flüchtlinge, so lange ihr Asylantragsverfahren dauert, keine Arbeit annehmen. Nur gemeinnützige Tätigkeiten sind möglich, die TSD-Mitarbeiter in der Traglufthalle sind gerade in Verhandlung mit der Stadt, ob in Hall noch einige Flüchtlinge arbeiten dürfen.

Die grüne Stadträtin Barbara Schramm-Skoficz, die seit kurzem als Obfrau des Gesellschafts- und Integrationsausschuss für die Flüchtlinge zuständig ist, macht sich laufend ein Bild von der Lage in der Traglufthalle Hall. Zurzeit geht es in ihrer Arbeit vor Ort darum, in Zusammenarbeit mit den TSD und den Freiwilligen sinnvolle Freizeitangebote für die Kinder zu organisieren. Schramm-Skoficz kümmert sich zudem auch privat um eine Familie in der Haller Unterkunft.

 

Freiwllige leisten viel für Integration

Über das Sozialamt der Stadt Hall können sich interessierte Einheimische informieren, wie sie sich für die Asylwerber engagieren können. Georg Hochfilzer berichtet, dass inzwischen schon rund 90 Freiwillige mithelfen, den Flüchtlingen die Integration in Österreich zu erleichtern. An den Wänden in der Traglufthalle hängen Zettel mit Angeboten für die Asylwerber: Freiwillige laden die Menschen zum Tanzen, Reiten, Minigolf, Schwimmen, Volley- und Basketball sowie Fußball, Kochen, Musik oder Erste Hilfe ein. Der Andrang ist groß, wie die Anmeldeblätter beweisen. Das Jugendhaus Park In engagiert sich ebenfalls mit eigenen Aktionen für die Haller Flüchtlinge. Sehr gefragt bei den Flüchtlingen sind die Deutschkurse, die von der GemNova im Kolpinghaus offeriert werden: auch hier sind die Listen voll. Die Mitarbeiter der TSD schätzen die Hilfe der Freiwilligen sehr. Überhaupt stellen sie ein recht gutes Klima in der Stadt fest, „wir haben bisher eigentlich keine ausländerfeindlichen Reaktionen erhalten“, so Hochfilzer.

 

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Heimleiter Georg Hochfilzer (re) und Mitarbeiter Christopher Wikipil: "Die Menschen wissen, dass wir ihnen helfen und schätzen dies auch."

 

 
 

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