Heilsame Umgebung für verletzte junge Seelen
Hall in Tirol
Mittwoch, den 06. Dezember 2017 um 09:16 Uhr

DSC_0049Die neue Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall erweitert das bisherige Konzept sowohl betten- als auch therapiemäßig. Neue Behandlungsmöglichkeiten und die Lage im Grünen mit viel (Spiel)raum schaffen optimale Bedingungen.

 

Viele junge Gesichter wird man künftig am Areal des Landeskrankenhauses Hall sehen. Im November eröffnete die neue Kinder- und Jugendpsychiatrie oberhalb der UMIT nach knapp zweijähriger Bauzeit. Schritt für Schritt werden die Räumlichkeiten auf gut 4000 Quadratmetern Nutzfläche bezogen und die bisherige Station von Innsbruck hierher übersiedelt. Der Neubau in Hall soll die psychiatrische Landschaft für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr in Tirol wesentlich verbessern: Bisher gab es in Innsbruck ein Haus mit 22 Betten und nur zwei niedergelassene Kassenärzte für junge Menschen. In Hall stehen hingegen künftig 31 Betten für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie 12 Betten für psychosomatische Fälle sowie Bewegungs-, Therapie-, Behandlungs- und Administrationsräume und eine Schule zur Verfügung. Zudem ergänzen ein Ambulanzbereich und eine neue Tagesklinik das Angebot. Außerdem bietet der Neubau mitten im Grünen viel Bewegungsfreiheit für die jungen Patienten: ein großer Spielplatz sowie Sportmöglichkeiten und der Park schaffen optimale Bedingungen für die Therapie seelischer Erkrankungen. „Wir haben es hier gemeinsam mit den tirol kliniken geschafft, innerhalb kürzester Zeit die modernste Kinder- und Jugendpsychiatrie Österreichs zu errichten. Und zwar in einer Form, von der die betroffenen Kinder und Jugendlichen bestmöglich profitieren. Mit modernsten Therapiekonzepten, in einem idealen und großzügigen Gebäude in wunderbarer Lage im Grünen“, freut sich Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg.

 

Neue Konzepte

 

Eine wichtige Station für die Kinder- und Jugendeinrichtung stellt die Ambulanz dar, die gleich im Eingangsbereich situiert ist. „Hier können wir ambulante Termine und Sprechstunden für die Bereiche Autismus, Schmerz, Essstörungen, Entwicklungsstörungen, Angst und Depression sowie ADHS anbieten“, erklärt Kathrin Sevecke, Primaria der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Neu ist das Angebot der Tagesklinik, die nebenan Platz für die stundenweise Behandlung von Kindern und Jugendlichen bietet: „Mit diesem Modell können die jungen Menschen sehr gut den Bezug zur Familie leben, da sie abends wieder nach Hause gehen“, so Sevecke.

Der Großteil der Jugendlichen bleibt jedoch in stationärer Behandlung – im Schnitt rund 32 Tage. In Sechser-Strukturen sind die Stationen altersmäßig und nach speziellen Diagnosen aufgeteilt. Die Ein- und Zweibettzimmer können die jungen Patienten selber mit persönlichen Dingen gestalten, etwa indem sie ihre eigene gewohnte Bettwäsche mitnehmen. „Wir möchten die Stationen heimelig machen, aber gleichzeitig Kommunikation ermöglichen“, berichtet die Klinikleiterin. „Die Wohnstruktur im Haus soll teilweise die Alltagsstruktur der Kinder und Jugendlichen in die Klinik transferieren. Wir leben hier wie in einer Großfamilie. Gleichzeitig bieten wir den jungen Menschen neue Modelle, den Alltag zu gestalten, an, die sie hier trainieren und dann in ihre Familien transferieren können. In den Therapien werden diese Strukturen auch reflektiert“, ergänzt Markus Assmann, der Pflegedienstleiter im Haus.

 

Klare Tagespläne mit Schule

 

Zum Konzept der Kinder- und Jugendpsychiatrie gehört ein klarer Tagesablauf: Die Patienten frühstücken am Morgen auf den Stationen gemeinsam, dann folgt ein Schulblock. „Die klinikeigenen Heilstättenschule arbeitet klassenübergreifend. Bis zu acht Kinder pro Klasse werden „individuell beschult“, schildert Kathrin Sevecke das Angebot für die schulpflichtigen Patienten, die länger als zwei Wochen im Haus bleiben müssen. Das sechsköpfige Lehrpersonal stimmt dabei den Lehrstoff mit der Ursprungsschule der Kinder und Jugendlichen ab. „Schule gehört zum Alltag. Auch der ,Schulweg’ durchs Haus ist Teil der Therapie“, unterstreicht Sevecke . Mittags essen die Patienten gemeinsam auf den Stationen, am Nachmittag finden die Therapieeinheiten und Elterngespräche statt. Altersgemäß erhalten die jungen Leute Ausgehzeiten, das Team auf den Stationen gestaltet aber auch ein Spiel- und Freizeitprogramm. Abends gibt es dann gemeinsames Essen und natürlich sind auch danach Betreuer auf den Stationen.

 

Eigene Familienzimmer

 

Das neue Krankenhaus-Gebäude bietet auch Platz für Eltern-Kind-Zimmer. In den fünf Räumen besteht nicht nur die Möglichkeit, dass ein Elternteil beim Kind übernachtet. Ein Zusatzbett ermöglicht auch die Unterbringung für ein Kleinkind, etwa wenn eine alleinerziehende Mutter ihr krankes Kind begleitet und niemanden hat, der auf das kleinere Geschwisterkind aufpasst.

Für die Ausweitung des Betten- und therapeutischen Angebotes hat die neue Kinder- und Jugendpsychiatrie ihr Mitarbeiterteam auf 110 Köpfe erweitert: rund 15 Berufsgruppen von Ärzten, Psychologen über unterschiedliche Therapeuten bis zu Betreuern sorgen für das Wohl der jungen Menschen.

Die Kosten für den Neubau in Hall betragen rund 20 Millionen Euro, die zur Gänze vom Land Tirol getragen werden. „Die neue Kinder- und Jugendpsychiatrie erfüllt alle Voraussetzungen, um den PatientInnen ein ,healing environment’ zu bieten – also eine Umgebung mit zahlreichen Freiflächen und Bewegungsmöglichkeiten. Das Haus ist wichtiger Teil der Entwicklung der psychiatrischen und psychologischen Betreuung in Tirol“, betont LR Tilg. Am bisherigen Standort in Innsbruck wird es weiter fünf tagesklinische Betten geben, ergänzt er. Bis zum Frühling soll das Haus in Hall vollständig besiedelt sein.

 
 

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